Aktuell Ausbildung Motorflug

Faszination Nachtflug

Eben noch erhellten die Lichter der Startbahn und der Schein der Landescheinwerfer die Welt um uns herum. Jetzt, nachdem wir Sekunden nach dem Start den Flughafen hinter uns gelassen haben, ist da nur noch dunkles Land, gesprenkelt mit kleinen Lichtpunkten aus Dörfern und Städten, hier und da das Lichtband einer Autobahn. Darüber kristallklar nur die Sterne und wir mitten drin und scheinbar allein im nachtschwarzen Raum in unserem kleinen Flugzeug – Faszination Nachtflug!

Nachtflug ist wohl für jeden Piloten ein ganz besonderes Erlebnis, das wir seit diesem Jahr auch erstmals in der vereinseigenen DR400 „Remo“ genießen können. Auch die vom Gesetzgeber vorgeschriebene Zusatzausbildung kann im Verein absolviert werden.

Fünf Flugstunden, einige Landungen bei Nacht und ein Überlandflug sind als Mindestbedingung für die Erlangung der Nachtflugberechtigung vorgesehen. Natürlich braucht man ein geeignetes Flugzeug, das über die erforderliche Flugsicherungsausrüstung, Funkgerät und Beleuchtung verfügt, und vor allem Flugplätze mit Nachtflugbefeuerung und – in Deutschland schwierig – entsprechenden Öffnungszeiten.

Geschult wird Nachtflug deswegen vorwiegend im Winter und auch wir – Clemens Kopp und Gerald Salzinger als Ausbilder – hatten uns das Thema Nachtflugausbildung für die „dunkle“ Jahreszeit vorgenommen. Die Operation „Nachtflug“ stellte uns dabei vor einige echte Herausforderungen: Die Piloten müssen Zeit haben, das Flugzeug muss klar, unser Grasplatz ausreichend trocken für einen Start, der Flugplatz für die Nachtlandungen, in unserem Fall Siegerland, muss geöffnet sein und ein Abholer bereitstehen, da wir in der Dunkelheit nicht mehr nach Ober-Mörlen zurückkehren können. Ach ja, und dann ist da natürlich noch das Wetter!

Rein rechtlich gelten die gleichen Anforderungen an das Sichtflugwetter wie am Tage, aber tiefe Wolken und schlechte Sichten können nachts schnell zur Falle werden, so dass wir die Latte mit unseren Mindestbedingungen deutlich höher legen und einige Versuche leider wegen tiefer Bewölkung über dem Siegerland aufgeben müssen.

Am 7. Dezember passte dann endlich alles! Piloten klar, Flugzeug klar, Himmel klar – auf zum Nachtflug!

Ausgerüstet mit Flugplan, Taschen- und Stirnlampen mit blendungsfreiem Rotlicht, nehmen wir das Flugzeug noch einmal ganz genau unter die Lupe bevor wir kurz nach Sonnenuntergang, luftrechtlich noch am Tage, in den rot-orangenen Abendhimmel starten.

Phantastische Eindrücke stürmen auf uns ein durch die großen Scheiben unserer Remo. Trotzdem dürfen wir natürlich nicht vergessen, uns bei den Radarlosten zu melden, für die wir „Kleinen“ unbekannte Wesen sind im routinierten Ablauf der Verkehrsfliegerei. „D-ERAI report Siegerland Airfield in sight!“ lautet die Anweisung und kurz darauf tauchen inmitten des ansonsten ziemlich dunklen Siegerlands die blitzenden Lichter der Flughafenbefeuerung auf.

In der Platzrunde und bei den ersten Anflügen wird klar, warum für den Flug bei Dunkelheit eine zusätzliche Ausbildung erforderlich ist: Das Abfliegen der Platzrunde muss im Wesentlichen ohne Bodenmerkmale erfolgen, das Auge wird schnell von den vielen Lichtern irritiert und beim Einschätzen von Entfernungen, Höhen und Winkeln vertut man sich schnell.

Nachtflug_2

Gleitpfadanzeigen neben der Bahn und die Anflugbefeuerung helfen, den richtigen Anflugwinkel zu finden und so gelingt dann auch die erste Landung mit Abfangen im Schein der Landelichter. Natürlich verhält sich das Flugzeug bei Nacht auch nicht anders wie bei Tageslicht, aber trotzdem verlangt das Fliegen in der Dunkelheit viel mehr Konzentration ab.

Der Überlandflug soll uns nach Paderborn führen und nach kurzer Pause heben wir die Flugzeugnase wieder in die Nacht. Ohne jede Referenz in der Welt um uns herum wird der künstliche Horizont plötzlich zum wichtigsten Instrument.

In Paderborn teilen wir uns den Luftraum mit der Lufthansa und parken auch direkt neben den Großen. Aber auch hier bleibt nur Zeit für eine kurze Pause bevor wir wieder den Rückweg nach Siegerland unter dem Sternenhimmel antreten. Kurz vor 21:00 landen wir wieder auf der „31“ und stellen unsere „AI“ für die Nacht ab.

Noch völlig überwältigt versuche ich die grandiosen Eindrücke des Abends zu verarbeiten. Eine neue fliegerische Welt hat sich für mich aufgetan und wartet darauf, weiter erforscht zu werden.

 

Erfahrungsbericht von Clemens Kopp nach seiner ersten Nachtflugschulung mit Fluglehrer Gerald Salzinger am 07.12.2015.

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