Oldtimer

Messerschmidt ME 108 „Taifun“

Schnell – Elegant – Zeitlos

Die Me 108, die historisch korrekte Bezeichnung wäre „Messerschmitt Bf108“, ist das wohl am meisten unterschätzte Flugzeug der 1930er Jahre, wahrscheinlich weil sie gegenüber aktuellen Sportflugzeugen so unauffällig modern wirkt, ganz anders als die „archaischen“ Doppeldecker aus dieser Zeit.

Bereits in den frühen 1930er Jahren begann die Entwicklung bei den Bayerischen Flugzeugwerken (BFW), die sicher von Willy Messerschmitt geleitet, aber wohl nicht von ihm durchgeführt wurde. Die Idee für die spätere „Messerschmitt Bf 108“ brachte wahrscheinlich vor allem der Ingenieur Richard Bauer mit, der vorher schon die Klemm 31 entwickelt hatte, von der sich auch einige Konstruktionsdetails in der späteren Me 108 wiederfinden.

Technische Daten

  • Baujahr: 1937
  • Spannweite: 10,62 m
  • Länge: 8,29 m
  • Höhe: 2,85 m
  • Flügelfläche: 16,4 m²
  • Triebwerk: Argus AS10 C, 8 Zylinder, hängender V-Motor mit mechanisch im Fluge verstellbarem Propeller
  • Leistung: 240PS Startleistung
  • Höchstgeschwindigkeit: 303 km/h
  • Reisegeschwindigkeit: 265 km/h
  • Maximales Abfluggewicht: 1380 kg
  • Sitzplätze 4

 

Da die Bayerischen Flugzeugwerke aus finanziellen Gründen (zunächst) nicht an den damals gerade aufgelegten, lukrativen Jagdflugzeug-Programmen der neuen Machthaber teilnehmen konnten, entschied man sich dazu, einige Technologien für zukünftige Jäger an vergleichsweise günstigen Sportflugzeugen zu testen. Dazu zählen unter anderem der konsequente Leichtbau, die Ganzmetallkonstruktion, das Einziehfahrwerk, der Verstellpropeller, die Vorflügel und die sehr rationelle Halbschalenbauweise.

Daraus entstand ein schnelles, komfortables Reiseflugzeug, mit dem unzählige Wettbewerbe gewonnen und Rekorde aufgestellt wurden. Die bekanntesten sind der Geschwindigkeitssieg beim Europarundflug 1934 (im Jahr ihres Erstfluges!), Gleiwitz – Istanbul – Berlin in 13 Stunden und 30 Minuten, drei Kontinente in einem Tag (Damaskus – Kairo – Athen – Berlin) und der Höhenweltrekord im Jahre 1939 mit 9125 Metern Höhe.

Diese Leistungen waren damals – der Motorflug war überhaupt erst seit 30 Jahren erfunden – spektakulär und können sich auch im Vergleich zu heutigen kleinen Sport- und Reiseflugzeugen sehen lassen. Noch im Jahre 1971 nahm eine Me 108 am Deutschlandflug des Deutschen Aeroclubs teil und war gleichzeitig das schnellste und das älteste Flugzeug in diesem Wettbewerb. Die vielen Rekorde der 30er Jahre stehen eng in Zusammenhang mit dem Namen einer der bekanntesten Fliegerinnen und Flugpionierinnen Ihrer Zeit, Elly Beinhorn. Von ihr bekam ihre geliebte Me 108 dann auch den Beinamen „Taifun“.

Leider sind von der Me 108 nur wenige Exemplare erhalten geblieben. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Flugzeug zwar in leicht veränderter Form in Frankreich weiter gebaut, aber Originale sind sehr rar. Derzeit sind in ganz Europa nur fünf von einstmals über 900 Flugzeugen, zumindest zeitweise, lufttüchtig. Bei uns im Aero-Club Bad Nauheim ist die älteste und originalste Me 108 erhalten. Sie ist die einzige lufttüchtige Me 108, die noch in Deutschland gebaut wurde, bevor die Produktion nach Frankreich verlegt wurde. Die Haltergemeinschaft, die sich liebevoll um die alte Dame kümmert, hat sie in jahrelanger Kleinarbeit an Flugwerk, Triebwerk, Innenausstattung, Lackierung, den Instrumenten und jedem einzelnen Bauteil in einen absolut originalgetreuen Zustand zurückversetzt. Das einzige Zugeständnis an die heutige Zeit ist das Funkgerät, das natürlich so verbaut wurde, dass es nicht auf den ersten Blick auffällt.

Für die wunderbaren Luftaufnahmen vor der Kulisse der österreichischen Alpen, die Mörler „Taifun“ hier auch zu sehen in Formation mit der Me 108 der Messerschmitt-Stiftung, bedanken wir uns ganz herzlich bei unserem Fliegerkamerad Joe Riemensberger (diese Datei ist lizensiert unter Creative Commons 3.0 Attribution-Share Alike 3.0 Germany. Das Original ist hier zu finden: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bf108-Rimensberger.JPG).

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