Es war schon dunkel geworden und kalt war es auch, als wir uns im Herbst 2018 zu einer Vorstandssitzung zusammenfanden. Alles Mögliche wurde besprochen wozu der Hallenbau, die Werkstattarbeit und diverse Vereinszoten gehörten, bis der Segelflugreferent an der Reihe war und sein Klagelied erhob: „Im Sommer haben wir zu wenige Doppelsitzer! Die Leistungssegler sind Unterwegs, der Schulungsdoppelsitzer wird von unseren Flugschülern belagert und Gastflüge müssen wir damit auch noch machen. So geht das nicht weiter!“.

Es kam die Frage auf, wie viel Geld der Vorstand ohne Beschluss der Mitglieder ausgeben dürfe, welche sogleich mit „5000 €“ beantwortet wurde. Für mich war die Sache klar: Lasst uns eine K7 kaufen – die bekommen wir für das Geld. Doch ich wurde sofort zurückgepfiffen: „Wenn wir das machen werden wir auf der nächsten Mitgliederversammlung wegen groben Unfugs sofort standrechtlich erschossen!“ Schade eigentlich. Ich hänge an meinem Leben. „Dann kaufen WIR eben eine…“ wurde vorgeschlagen, „…und stellen Sie dem Verein zur Verfügung.“. Sofort waren Leo und Gerald als Anteilseigner dabei. Auf der nächsten Vereinsfeier konnten wir, unter Einsatz von nennenswerten Mengen Licher Export, noch zwei weitere Anteilseigner gewinnen. David und Andreas sind mit an Bord!

Die Suche nach dem Flugzeug konnte beginnen. Nach einigen Fehlschüssen brachen Leo und ich am 29.10.2018 zur Besichtigung eines Kandidaten nach Oerlinghausen auf. Es regnete immer wieder und es war kalt. Die Öldruckwarnlampe von Leos VW-Bus gab uns auf der Reise alle zwei Minuten mit lautem Piepen einen Hinweis darauf, dass irgendwas nicht stimmte. Ich musste lernen das zu ignorieren. Endlich angekommen, lernten wir den freundlichen Eigner kennen, der einen netten Kumpel mit dabei hatte, der Anhänger des Flugzeugs öffnete sich, das Flugzeug wurde herausgezogen und… ich gab sofort zu verstehen, dass ich mir diese Flugzeugruine nicht ans Bein binden werde!

Der Flieger war zuletzt 2014 in der Luft und bis zu dieser Zeit an die Bundeswehr für die Schulung zukünftiger Tornado und Eurofighter Piloten vermietet. So sah er auch aus. Nur die Einschusslöcher fehlten noch. Zu schlechter Zustand für den Preis – ich bin raus!Aber Leo gab nicht auf: Nach einer guten Stunde war der Preis um die Hälfte gedrückt und noch eine Fliegeruhr als Bonbon oben drauf gelegt. Als Leo und ich wieder alleine im Auto saßen, schmiss ich meine Mütze auf die Hutablage und rief: „OK! Für den Preis mache ich mit!“

Ein kurzer Winter folgte und der Flieger wurde gnadenlos zerlegt. Alle Beschläge, Steuerstangen, tragende Teile, Ruderanschlüsse, Steuerseile von mehreren Fachkundigen genau unter die Lupe genommen. Der Beschluss unserer fachkundigen Hugo und Bernd: Sie ist nicht hübsch, aber technisch einwandfrei.Es folgten einige kleine Schönheitsreparaturen, neue Instrumentenbretter wurden angefertigt, der Papierkram erledigt. Alles wurde für den Vereinsbetrieb zugelassen und versichert. Am 21. April 2019 machten Gerald und David den „neuen Jungfernflug“. Schon am ersten Mai hat unsere „7“ mit Vereinsmitgliedern mehr als 10 Stunden in der Luft verbracht und 42 Starts und Landungen absolviert. Sogar ein Streckenflug von über 100 km (Durchschnittsgeschwindigkeit 49,3 km/h!) wurde schon durchgeführt.

Bleibt noch zu sagen, dass unsere „Alexander Schleicher K7 Rhönadler“ auf die 60 zugeht. Für Flugzeugverhältisse ein Youngtimer. Alle die das Flugzeug fliegen steigen mit einem riesigen Lächeln wieder aus. Spätestens vor 20 Jahren wurden die „7er“ in den Vereinen ausgemustert. „Was sollen wir mit dem alten Geraffel?“ Kaum ist das alte Geraffel zurück, schwelgen die älteren Piloten in Erinnerungen, die jungen sind begeistert vom angenehmen Flugverhalten. Sie fliegt wirklich traumhaft schön.  Als ich meinem Vater davon per Whatsapp berichtete, schrieb er zurück: „Was gut war, bleibt gut.“ Ich habe von ihm das Fliegen auf einer K7 erlernt

von Hermann Kerzendorf