Bad Nauheimer Segelflieger nutzen Hitzewelle am 08. und 09. August zum Rundensieg in der 1. Segelflug-Bundesliga

Während die Natur langsam ein Ende der Trockenheit der letzten Wochen herbei sehnt, freuten sich die Piloten des AeC Bad Nauheim am vergangenen Wochenende über den richtigen Wettermix. Denn nicht nur die Temperaturen erinnerten an Afrika, auch die möglichen Flughöhen von fast 3000 Metern (die maximal erlaubte Höhe in Deutschland) zauberten ein breites Grinsen in die Gesichter der begeisterten Segelflieger.

In der 1. Segelflug-Bundesliga kämpft der Aero Club noch um den Klassenerhalt und konnte in der 11. Runde dieser Saison einen großen Schritt in diese Richtung machen und hat nun sogar Chancen auf eine Top 10 Platzierung. In der Bundesliga werden die Flüge der schnellsten 3 Piloten/innen des Vereins gewertet und dann mit den insgesamt dreißig 1. Liga-Vereinen verglichen. Dabei werden nur die schnellsten 2,5 Stunden jedes Fluges betrachtet – auch wenn der Flug wesentlich länger dauert. Eine Liga-Saison läuft über 19 Runden (Wochenenden) und in jeder Runde können entsprechend der Platzierung bis zu 20 Punkte für das Vereinskonto gesammelt werden, dieses Jahr ging die Saison Corona-bedingt erst später los und dauert nur 13 Runden.

Die drei schnellsten Nauheimer waren an diesem Wochenende Karsten Leucker, Lorenz Dierschke und das Doppelsitzer-Team Thomas Liebert / Hans-Jürgen Gelsebach. Dabei führten die Streckenflüge vom Startplatz Ober-Mörlen an den Rhein, ins Sauerland und bis in den Thüringer Wald kurz vor die tschechische Grenze – und zurück. Alleine diese drei Flüge legten in 2,5 Stunden Wertungszeit zusammen unglaubliche 1084 Kilometer zurück, was eine Team-Speed von 434 km/h bedeutet – eine noch nie zuvor erreichte Leistung die zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte den 1. Rundenplatz in der Königsklasse bedeutet.

Dass nicht nur Segelfliegen an sich ein Teamsport ist – denn um in die Luft zu kommen ist die gegenseitige Hilfe notwendig – sondern auch die Ligasaison vom ganzen AeC-Team bestritten wird, zeigt die Menge an gemeldeten Flügen. 12 Piloten haben das fantastische Wetter genutzt und insgesamt 4,750 Kilometer unter Ausnutzung von thermischen Aufwinden zurückgelegt. Während man am Boden bei über 35° C ordentlich schwitzen musste, war es in 2,500 m Höhe mit 10° C angenehm kühl. Auch in der Breite ist der Verein gut aufgestellt. Mit 450 Kilometern auf seinem Oldtimer Pilatus B4 konnte der Erfahrenste im Bunde Willi Breitenfelder mit mehr als 60 Jahren Segelflugerfahrung  den drittgrößten Flug beisteuern – der jüngste Pilot, Nuno Ferreira, ist dagegen gerade erst 18 Jahre jung.

Am vergangenen Wochenende ging außerdem in Wetzlar ein Streckenflugwettbewerb zu Ende, bei dem Bad Nauheim fleißig Medaillen sammeln konnte. Ferreira konnte sich im Team mit einem zweiten Junior Daniel Panczyk über den 3. Platz in der Sportsman-Klasse freuen, Vereinskamerad Lars Liebert wurde sogar strahlender Sieger. In der Advanced konnte Tobias Meiler den Gesamtsieg erringen und in der Intermediate wurde Joachim Philipp am 7. Wertungstag ebenfalls Gesamtsieger, Sebastian Dierks wurde auf seinem ersten Wettbewerb 8. So konnten Siege in allen drei Klassen für die Bad Nauheimer verbucht werden.

Das Bundesligateam des Aero Clubs freut sich jetzt noch auf zwei spannende Bundesliga Wochenenden. Aktuell steht der Verein auf Platz 12 von 30 und die Piloten/innen sind motiviert noch mal alles zu geben, um weitere Plätze gut zu machen.

Nicht unerwähnt bleiben soll noch ein zweiter spektakulärer 1,000 km Flug, der Jürgen Breitenfelder und Oliver Stehr gelang. Nachdem Tobias Meiler Anfang Juli (die WZ berichtete) das erster „Tausender“ vom Standort Ober-Mörlen im Einsitzer vorlegte, holten Breitenfelder und Stehr viel mehr aus einer unspektakulären Wetterlage heraus, als sie beim Start am Morgen erwarten konnten. Als es abzusehen war, dass es ein sehr langer Flugtag mit spätem Thermikende werden würde, wurde auf „oben bleiben“ geflogen. Nach 1,010 km und neuneinhalb Stunden Flugzeit wird dieser Flug die Aero Club Geschichte als erster Flug mit über 1,000 km Distanz im Vereinsdoppelsitzer eingehen.

Mit über 80,000 Streckenflugkilometern stehen die Bad Nauheimer Pilotinnen und Piloten derzeit knapp an der Spitze der hessischen Vereinswertung- knapp – und die Konkurrenz schläft nicht.

 

Text von Lorenz Dierschke und Thomas Liebert – Bilder (Copyright) Jan Georgi