Freude. Vorfreude. Auf 2 Wochen der Essenz dessen, was unsere Fliegerei und den Verein so einzigartig macht: eine erstklassige Gemeinschaft, Freiheit, großartige Flüge, lange Abende – und gutes Essen!

 

Im tiefgrauen Januar des Jahres 2022 erschien das alles zunächst wieder einmal viel zu lange hin. Wer kann sich schon ernsthaft bei Regen und tiefhängenden Wolken vorstellen, in wenigen Wochen in einem der abwechslungsreichsten fliegerischen Spielplätze zwischen und über den Bergen die Zeit zu genießen?Nun, es gibt da so ein paar ganz Hartnäckige…für die es kein schlechtes Wetter gibt, und für die die Aussicht auf neue Geschichten ein permanenter Antrieb ist!

Seit nunmehr über 40 Jahren trifft sich ein Teil dieser Sorte Flieger auf dem Flugplatz Ober-Mörlen und plant dann das, was man dort gemeinhin als Saisoneröffnung bezeichnet: es geht mit Sack und Pack in die Provence in den französischen Alpen! Weit weg von heimatlichen Unwägbarkeiten ist das Reiseziel Sisteron zu einem Ersatz-Mekka für alle geworden, die schon früh im Jahr gute fliegerische Bedingungen erleben wollen.

Was das bedeutet? Aufgrund der landschaftlichen Gegebenheiten – vom flachen Land, über türkisfarbene Bergseen, Hügel und schneebedeckten Bergen und Gletschern ist alles dabei – ist es bei fast jedem Wetter fliegbar. Entweder, weil die Sonne bereits genügend Kraft hat um an den Bergen Thermik zu erzeugen – oder, weil der Wind die Berge so anbläst dass ein Flugzeug im entstehenden Hangwind ohne Energieverlust Strecke zurücklegen kann. Oder, und das ist für die meisten Piloten ein jedes Mal wieder beeindruckend, man sogar in Leewellen bis auf 6.000m über dem Meeresspiegel steigen kann. Französische Lufträume setzen dem weiteren Aufstieg dann meist (leider) ein Ende.

Wohlwissend was auf uns zukommt, hieß es also zunächst einmal planen: Wer kommt mit? Welche Flugzeuge packen wir ein? Wo wohnen wir? Wie war das gleich mit dem Sauerstoff? Wo sind die Außenlandefelder? Wer bringt Landebier mit? Und wo ist jetzt eigentlich nochmal der Roc de L’Aigle???

Aus der anfänglichen Planungschaotik hat sich erwartungsgemäß eine beruhigende Routine entwickelt, sodass peu a peu – für Mörler Verhältnisse geradezu beeindruckend rasant – auch die nachrangigsten Fragen geklärt wurden, bevor es dann Ende März tatsächlich hieß: En Provence!

Es geht los

Mit 10 Piloten, verteilt auf 6 Fahrzeugen mit jeweils 1 Flugzeug im Tross ging es via Elsass, die Borgogne, Lyon und Grenoble ins 900km entfernte gelobte Land. Da Pilgerreisen bekanntlich auch ihren spirituellen Reiz haben, ist jede Pilgergruppe ihrem eigenen Weg und Zeitplan gefolgt – unregelmäßig unterbrochen nur von französischen Mautstellen und dem noch unregelmäßigeren Drang, die sanitären Örtlichkeiten aufzusuchen. Am 26.03. 18:00 waren alle angekommen und wir konnten im Sonnenuntergang feierlich das erste gemeinsame Bier deutscher Brauart (genau genommen ein bierähnliches Getränk, eingeschlossen in zylinderförmigen Alubehältern) vor der immer wieder beeindruckend schroffen Bergkulisse der oberen Provence einnehmen. Vive la France!

Nachdem wir unsere Emotionen gesammelt hatten, kehrten wir auch umgehend in die örtliche Flugplatzgastronomie ein – das „Le Zinc“ hatte uns wieder. Die erste mentale Lockerungsüberung war dann auch ein voller Erfolg und alle sind zufrieden und satt in ihren Unterkünften angekommen.

Ein typischer Tag im Fliegerurlaub läuft dann nach folgendem Schema ab:

  1. Aufstehen – ggf Krone richten – Einsatz des Baguettemans in der örtlichen Boulangerie – gemeinsames Frühstück
  2. 10:00 Briefing am Flugplatz – Mannschaften und Flugzeuge zuordnen – Flieger ins Grid stellen
  3. via F-Schlepp starten und gaaaanz viel und lange Spaß haben
  4. Landung nach freiem Ermessen und Einnahme des obligatorischen Landebiers
  5. Abendplanung und gemeinsames Diner – gerne mit regionalen festen und flüssigen Produkten dargereicht

Die gesamte Tagesplanung ist demnach auf das Fliegen ausgerichtet. Je nach Wetter werden die Möglichkeiten besprochen und jeder Pilot steckt für sich seinen persönlichen Tagesradius ab. Das Team „Arcus“ war schon ein paar Tage früher angereist und hatte die große Gelegenheit genutzt, bis und um den Mont Blanc und das Matterhorn zu fliegen. Beeindruckende Bilder und tolle Geschichten haben den Erlebnisdurst bei den Arcus-Piloten schon früh gestillt und bei den noch anreisenden Piloten entsprechend angefeuert.

Die erste gemeinsame Urlaubswoche war dann zunächst geprägt von Blauthermik. Heißt, die Thermik ist nicht durch schöne Cumulus-Wolken gekennzeichnet und das Vertrauen in die meteorologischen Systeme muss erst wieder ein wenig hergestellt werden – es geht eben auch ohne Wolken! An einigen Tagen wurden bereits auch die ersten Leewellen-Flüge durchgeführt – welch Erlebnis, scheinbar ohne äußeren Einfluss mit 3-4m/s auf der Stelle zu steigen und zu beobachten wie die Welt kleiner wird. Beim Heimflug in den Sonnenuntergang und den Gedanken an das unvermeidliche Landebier verflogen dann auch die meisten Kältesymptome und Teil 4 und 5 des oben beschriebenen Tagesablaufs konnten beginnen!

Geflogen wurde fast täglich, und selbst an scheinbar aussichtslosen Tagen standen wir am Start und haben uns von Schnee und Sturm nicht die Wurst vom Fliegerbrot nehmen lassen. Highlights waren sicherlich das Ausfliegen der Lure-Welle in 6.000m, Hangflüge am Parcours & in den Baronnies, sowie diverse Ausflüge in tiefere Stockwerke und somit dem manchmal nur teilweise freiwilligem Kennenlernen neuer landschaftlicher Perspektiven. Es war für jeden etwas dabei und alle sind auf ihre Kosten gekommen.

Was sonst noch geschah

Neben all der fliegerischen Hartnäckigkeit konnten wir bei allerlei Uno, Skat und Phase10 – Runden dann auch eine umfassende Rundfahrt durch die französische Aperitif-Landschaft ins Reisetagebuch aufnehmen. Neue Dinge wurden erprobt und altbekanntes manchmal ausgelassen – die Regionalspezialität „Genepy“ ist eben doch nur etwas für echte Franzosen.

Übernachtet wurde übrigens in typischen provencealischen Häusern – mit meterdicken Steinwänden, rustikaler Innenausstattung und angemessen großen Küchen. Diese wurden auch hinreichend benutzt, sodass die Reisegruppe bei Raclette- und Grillabenden zu Recht feststellte, wie gut man doch eigentlich kochen könne.

Für die letzten Tage war es dann gänzlich unfliegbar vorhergesagt und wir beschlossen gemeinsam, die Flugzeuge und uns einen Tag früher als geplant nach Hause zu bringen. Die Rückreise gestaltete sich dann analog zur Hinfahrt – Maut, Toilette, Maut, Toilette, Elsass, Rasthof Wetterau – sodass wir in leicht reduzierter Mannstärke noch einen gemeinsamen Vin Rouge auf dem Aerodrome Ober-Mörlen als Ausklang zu uns nahmen.

Rückblickend lässt sich wieder einmal feststellen, dass die alljährliche Auftaktreise nach Sisteron mit Freunden und Flugzeugen jede Mühe wert ist. Auch wenn im Januar alle Theorie noch grau erscheint – so geht Fliegerurlaub!

 

 

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