AIR STORYSMotorflug

Fliegerwerft Sommerausflug 3 – Von Sisteron ĂŒber das Reich der Giganten nach Lausanne

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Die 300 Liter reichten aus, um alle langsamen Flugzeuge der Gruppe mit Benzin zu versorgen. Die schnelle Piaggio und Messerschmitt nahmen als einzige den Umweg ĂŒber Gap auf sich, da fĂŒr sie nicht mehr genug Benzin vorhanden war und sie aufgrund ihrer hohen Reisegeschwindigkeit den Umweg leicht verkraften konnten. Wie gewohnt starteten die Motoren bestens und der Stieglitz brach als erstes Flugzeug auf in die Berge. Nachdem wir einen Überflug in Sisteron zum Abschied zum besten gaben, begannen wir sogleich mit dem Steigflug. Der alte Sternmotor ging auf volle Leistung und der Stieglitz begann gemĂ€chlich mit etwa 1 bis 1,5 m/s zu steigen. Die Berge zogen bei gemĂ€chlichen 130 km/h an uns vorĂŒber und mit jedem gewonnenen Höhenmeter wurde es kĂŒhler. Heute hatten wir zusĂ€tzlich zu unseren T-Shirts unsere dĂŒnnen Sommerpullover ĂŒbergezogen und trugen darĂŒber die Fliegerjacken. Die Jeanshose musste als einziges Beinkleid auch ohne lange Unterhose ausreichen ­ schließlich sind wir ja keine Weicheier.

Wir stiegen und stiegen. Schließlich blieben die ersten Wolken unter uns zurĂŒck. Ich beginne merklich zu frieren. Die Luft ist ganz klar. Plötzlich sehe ich von weitem den schneebedeckten Mont Blanc. Weit weg und recht klein ist er noch. “Dann sind wir ja bald da.”, dachte ich und blickte kurz auf den Höhenmesser der nicht mal 2000 Meter anzeigte. Wir flogen weiter. Ich konzentrierte mich gleichzeitig auf Luftraumbeobachtung, die Instrumente und meine KameraausrĂŒstung. Der eigentlich voll geladene Akku der GoPro Kamera zeigte nur noch zwei Balken. Ein Ergebnis des Temperatursturzes durch den Höhengewinn. Ich schaltete die eigens an der TragflĂ€chenverstrebung angebrachte Kamera mittels Fernsteuerung an und auch hier begann der Akku zu schwĂ€cheln. Nach einigen Aufnahmen beschloss ich die TragflĂ€chenkamera erst wieder anzumachen, wenn wir wirklich am Mont Blanc sind, in der Hoffnung, dass sie dann noch funktionieren wĂŒrde. Die GoPro, die ich bei mir trug steckte ich nun zwischen den Filmaufnahmen immer in die Jacke um den Akku warm zu halten. Das funktionierte auch erstaunlich gut: Immer wenn ich eine Aufnahme gemacht hatte war der Akku auf einen Balken zurĂŒckgegangen. Nach einiger Zeit der ErwĂ€rmung in der Jacke zeigte er wieder optimistische zwei Balken an. (Drei Balken ist der Höchstwert)‹Der Blick geht wieder zum Mont Blanc. GrĂ¶ĂŸer geworden war er und ich dachte: “Dann sind wir ja bald da.” Der Blick auf den Höhenmesser zeigte ernĂŒchternde 2400 Meter an.

Ich beschĂ€ftigte mich weiter mit Luftraumbeobachtung, den Instrumenten und Filmen. Vor KĂ€lte zitternd und eine gefĂŒhlte Ewigkeit spĂ€ter Ă€nderte sich mein Jargon gegenĂŒber dem Berg: “Komm endlich her du blöder Mont Blanc! Mir ist echt kalt!” Der Höhenmesser zeigte inzwischen 2800 Meter und der Berg ließ noch immer auf sich warten. Bei 3100 Meter ĂŒber dem Meeresspiegel war es dann so weit:

Alles ist ganz ruhig. Keine Luftbewegung. Nur der alte Sternmotor brĂŒllt ohrenbetĂ€ubend aus LeibeskrĂ€ften. Wenn man endlich am Berg angekommen ist, dauert die Freude nur Minuten. Man kann in dieser kurzen Zeit gar nicht alles wahrnehmen. Alles glĂ€nzt weiß: Die Gipfel ĂŒber mir, die Wolken unter mir, die Gletscher und die steilen, schneebedeckten AbhĂ€nge. Direkt unter mir in der Tiefe leuchten grĂŒne Wiesen und WĂ€lder. Über mir der strahlend blaue Himmel. Es ist unbeschreiblich schön.

Es bleibt jedoch nur wenig Zeit zum Genuss! Wenn man schon mal da ist muss man auch filmen und fotografieren: Ich schalte die FlĂ€chenkamera ferngesteuert ĂŒber meinen Tablet Rechner ein und starte die Aufnahme. Entsetzt sehe ich nur einen Akku Balken. Mein Pilot beginnt einen Vollkreis. “Nicht jetzt!”, dachte ich mit Blick auf die Akkuanzeige. In diesem Moment verschwindet der letzte Akkubalken und die Anzeige beginnt rot zu blinken. “Bitte! Halte durch!”, flehe ich den Akku an. Nach einer Ewigkeit bei rot blinkender Akkuanzeige geht der Vollkreis zu Ende. Der Berg muss wieder vor der Linse sein und die Kamera lĂ€uft noch. Da ich das Aufnahmebild der Kamera in Echtzeit auf meinem Tablet Rechner sehen kann ĂŒbernehme ich das Steuer und stelle den Vogel so hin, dass man den Berg möglichst gut sieht. Die Aufnahme ist im Kasten und durch den Vollkreis ist es eine der schönsten Aufnahmen geworden. Der Berg scheint wĂ€hrend des Kreises gemĂŒtlich an uns vorbei zu ziehen. Kaltes KalkĂŒl vom Piloten fĂŒr eine schöne Aufnahme, welches ich im Moment meiner Akku Not zunĂ€chst nicht verstand. Nachdem der Kamerastress beendet ist und ich alle störende Elektronik abschalte wird mir plötzlich klar:

Wir ziehen mit 130 km/h in 3100 Meter Höhe mit einem 78 Jahre alten, offenen Flugzeug und einem ebenso alten Motor am höchsten Berg der Alpen vorbei. Mein rechtes Auge trÀnt. Sicher nur vom Wind.

Der Abstieg findet in Windeseile statt. So langsam der Stieglitz gestiegen ist, so sehr kann er es nicht erwarten wieder herunter zu kommen. Wir lassen das Gas etwas stehen und sinken mit etwa 180 km/h, damit der Motor nicht zu stark auskĂŒhlt. Bei etwa 2000 Metern bringen wir den Stieglitz in Horizontalfluglage und sinken von nun an gemĂ€chlicher in die TĂ€ler. Es wird schlagartig wĂ€rmer. Wir kriechen zwischen den Bergen Richtung Lausanne und erreichen schließlich voller Euphorie den Genfer See. Von hier ist es nicht mehr weit bis zum Flugplatz. Noch zwanzig Minuten Flugzeit bis wir sicher in Lausanne landen.

Wir werden freudig von der Luftfotografie Legende Joe Rimensberger begrĂŒĂŸt, nachdem wir den Motor abgestellt haben. Noch bevor wir aus dem Flugzeug ausgestiegen sind, mĂŒssen wir einige HĂ€nde schĂŒtteln. Die Kameraden wissen, was wir gerade gemacht haben.

Wir verbringen einen ausgelassenen Nachmittag auf dem Flugplatz Lausanne, wo wir selbstverstĂ€ndlich vom PrĂ€sident der AMPA begrĂŒĂŸt werden und eine FĂŒhrung durch die heiligen Hallen erhalten. Flugzeuge stehen da ­ das kann man sich kaum vorstellen. Eine Dewoitine D.27 steht direkt neben einer wunderschön restaurierten Messerschmit Bf 108, BĂŒcker Flugzeuge dĂŒrfen nicht fehlen. Eine Cessna 170 und eine Spezialversion der de Havilland Moth mit Gipsy Major Motor, von der nur sehr wenige Exemplare gebaut wurden.

Am frĂŒhen Abend unternehmen wir noch einen Foto Flug mit Joe Rimensberger ĂŒber dem Genfer See und landen danach wieder hungrig in Lausanne. Wir lassen den Abend gemĂŒtlich bei gutem Essen mit den Kameraden der AMPA ausklingen und schlafen allesamt im Hotel.

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